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Donnerstag, 17. Februar 2011

"Der Staat, das sind wir alle"

"Der Staat, das sind wir alle."
So jedenfalls sagte es der liberale Vordenker Friedrich Naumann seinerzeit. Ich sage: "Der Staat, das sind verdammt noch mal wir alle." Und darum kann ich es auch nicht verstehen, daß die Listen der Parteien und Bürgerlisten zur bevorstehenden Kommunalwahl in Hessen oftmals recht kurz ausfallen. Gerade vor Ort, wo es auch für parteilose Bürger recht einfach ist auf den Listen zu kandidieren oder eigene Listen einzureichen, zählt die Persönlichkeit noch mehr als das Parteibuch. Davon zeugen nicht nur die vielen "freien", "unabhängigen" und "alternativen" Bürgerlisten und Wählergemeinschaften, sondern dies wird vor allem durch das hessische Kommunalwahlrecht mit Kumulieren und Panaschieren unterstützt.

Und mal ehrlich, es geht uns doch alle etwas an, was vor unserer Haustür passiert. Sicher, die öffentliche Aufmerksamkeit für Kommunalpolitik ist deutlich geringer als die für bundespolitische Themen, aber es ist nun mal zu einem großen Teil die Kommunalpolitik in den Städten und Gemeinden, die unseren Alltag beeinflußt. Es fängt doch bei der Gestaltung des Wohnumfeldes an und setzt sich über Kinderbetreuungsangebote und Winterräumdienste fort. Es wird eben nicht in Berlin oder Wiesbaden entschieden, ob das Abwasser auch abfließt und die Feuerwehr so ausgestattet ist, daß im Ernstfall für alles gesorgt ist. Nein, es sind die Kommunen, die (vor den Familien) kleinsten Einheiten des Zusammenlebens von Menschen, in denen die Entscheidungen getroffen werden, die unser unmittelbares Umfeld betreffen.

Und gejammert wird ja viel, und Kritik ist auch immer einfacher zu formulieren als Lob oder gar eigene Ideen, aber besser wäre es, wenn das Jammern und die Kritik in konkretem (kommunal)politischen Engagement münden würden. Doch auch hier werden immer die gleichen Ausreden ins Feld geführt. Und ich kann sie nicht mehr hören, diese Sätze wie "die da oben machen ja eh was sie wollen" und "die leben doch nur auf unsere Kosten". Ja verdammt noch mal, wenn "die da oben" nicht das machen was man will, dann kennt unsere Gesellschaft ein ganz einfaches demokratisches Mittel. Ein Mittel für das anderswo die Menschen auf die Straße gehen und erschossen werden. Und jetzt kommt mir nicht mit "da ändert sich ja eh nix". Da ändert sich nämlich nur dann nix, wenn man nicht selber aktiv wird. Die ganzen Nörgler und Miesepeter scheuen doch nur die Übernahme von Verantwortung, um sie dann den paar ehrenamtlich Tätigen in die Schuhe zu schieben. Und mal zu dem "Leben auf Steuerzahlerkosten": Der Wald-und-Wiesen-Kommunalpolitiker verdient sich mitnichten eine goldene Nase mit dem Mandat. 15 Euro sind es beispielsweise, die man pro Sitzung in Bromskirchen als Aufwandsentschädigung bekommt. Bei ca. 15 Sitzungen (inkl. Ausschuß) sind das 225 Euro im Jahr. Ein Traumverdienst möchte man meinen.

"Das Wichtigste im Staat sind die Gemeinden, und das Wichtigste in der Gemeinde sind die Bürger"
So sagte es der erste Bundespräsident Theodor Heuss. Ich sage: "Hintern aus dem Sessel und angepackt!" Die Kommunen brauchen jeden einzelnen von euch. Und wer nicht für die Wahl am 27. März kandidiert, hat die Möglichkeit sich bis zur nächsten Wahl in fünf Jahren recht einfach in die Arbeit der Parteien und Bürgerlisten einzubringen. Gleich welcher Ausrichtung.

Montag, 22. November 2010

Das Klischee vom Land

Der Ländliche Raum - unendliche Weiten...
Dieses Video von Südwild (ein Format des Bayerischen Rundfunks) will ich Euch nicht vorenthalten:


"Der größte Feind eines Journalisten ist das Klischee"

Dienstag, 29. Juni 2010

Die Städtebauförderung

So, da war ich also letzte Woche beim Kongress "Starke Klein- und Mittelstädte: Städtebauförderung in ländlichen Räumen", den das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (worauf Herr BMin Dr. Ramsauer zumindest bei der Eröffnungsrede größten Wert legte) organisiert hatte. Fazit der Teilnehmer (bei denen aus Nordhessen auch der Eschweger Bürgermeister Alexander Heppe und die Ex-OB,/Ex-RP/jetzige Abteilungsleiterin im BMVBS Oda Scheibelhuber anwesend waren) war, daß Sparen an sich eine tolle Sache ist, aber natürlich NICHT bei der Städtebauförderung gespart werden dürfe…

Mein persönliches Fazit fiel dagegen etwas anders aus. Zunächst einmal muß gesagt werden, daß die vorgestellten Beispiele für eine guten Stadtumbau aus ganz Deutschland (u.a. Eschwege) schon beeindruckend waren. Hier wurden mitunter richtige gute Konzepte entwickelt und umgesetzt. Interkommunale Zusammenarbeit inklusive und natürlich großgeschrieben. Soweit so gut. Doch nicht nur im Sinne von Generationengerechtigkeit muß Sparen oberstes Gebot sein. Und zwar überall. Daher sollten sich alle Beteiligten (das gilt auch für andere Subventionsempfänger) rechtzeitig darauf einstellen, daß irgendwann mal der Hahn zugedreht wird. Komischerweise ist das Aufschreien immer größer als das sich vorher Gedankenmachen wie es anders geht. Städtebauförderung ist unbestreitbar eine wichtige Sache und gerade in einer sich wandelnden Gesellschaft braucht es finanzielle Unterstützung bei der Umgestaltung des Lebensraumes. Dies gilt umso mehr für den ländlichen Raum. Daher muß diese Förderung aber vor allem zwei Kriterien zwingend erfüllen: Nachhaltigkeit und Zielgenauigkeit. Denn nur wenn Fördermaßnahmen auf einen langfristig Zweck ausgerichtet sind, sind sie richtig und vertretbar. Eine breite Förderung, die jede Idee unterstützt kann daher auf Dauer nicht finanziert werden. Nur wenn diese Ideen Perspektiven bieten, die der (Dorf)Gesellschaft in ihrer Gesamtheit unterstützen, sollten sie mit Geld vom Staat verwirklicht werden. Die Kommunalpolitik ist daher im besonderen Maße gefordert, die Bürgerinnen und Bürger vor Ort dafür zu sensibilisieren und den Gedanken der Nachhaltigkeit bei ihren Überlegungen zum Städtebau noch tiefer zu verfestigen. Ehrenamtliches Engagement vor Ort ist mehr denn je gefordert. Es ist ein Trugschluß zu glauben, daß „der Staat“ für das Gelingen des kommunalen Zusammenlebens zuständig wäre. Aktive Bürgergesellschaften entstehen aus der Mitte der Bevölkerung und können nicht von oben verordnet werden. Jeder Einzelne ist hier gefragt, seinen Beitrag zu leisten. Bürger zu sein heißt auch verantwortlich zu sein. Verantwortung nicht nur für sich selbst und seine Familie, sondern auch für die Mitmenschen in der Gesellschaft zu übernehmen. Diese Überzeugung muß noch stärker in die Köpfe der Menschen getragen werden. Dort wo aktive Bürgergesellschaften vor Ort anpacken, entstehen eben jene förderfähigen Ideen, die nachhaltige Lösungen für die Probleme der kleinen und mittleren Städten, Gemeinden und Dörfern finden. Das Fazit muß also lauten: Sparen ist eine tolle Sache, aber natürlich AUCH bei der Städtebauförderung, sofern diese nicht auf eine nachhaltige Entwicklung angelegt ist.

Dienstag, 25. Mai 2010

Die neuen Wege

Vor wenigen Tagen hat der Ortsverband der Jungen Liberalen Ederbergland in einer Pressemitteilung die jüngste Regionalkonferenz der vier Bürgermeister im Oberen Edertal gelobt. Und das zu Recht, denn was die Herren Junghenn, Horsel, Frese und Ermisch beraten habe ist nicht nur ein weiterer Baustein im vor zwei Jahren begründeten Kommunalen Dienstleistungsverbund (KDV) Oberes Edertal, sondern auch ein Wegweiser für die weitere Entwicklung der Region. Klingt hochtrabend, angesichts vereinbarter Zusammenarbeit im Bereich Abwasser, Abfallentsorgung und Einkaufsgemeinschaft? Vielleicht. Aber auch kleine Schritte führen bekanntlichermaßen zum Ziel – nur müssen sie auch gemacht werden. Die vier Städte und Gemeinden im Ederbergland sind erst noch am Anfang einer Reise, deren Ausgang noch offen ist und deren Route noch maßgeblich von den Menschen vor Ort gestaltet werden kann und sollte. Denn im vielgenannten „Wettbewerb der Regionen“, wird sich irgendwann nicht mehr die Frage nach dem Ob, sondern nach dem Wie stellen. Und wer dann reagieren will kommt zu spät und wird, um es mit Gorbatschow zu sagen, bestraft. Aber sind wir schon bereit etwas Fahrt in diesem Prozeß aufzunehmen? Sind die Menschen in der Region schon soweit, die Zusammenarbeit von der Verwaltungsebene weg zu intensivieren? Es mag eingewendet werden, daß die Grenzen auf der Landkarte auch Grenzen in den Köpfen sind und darum einer Weiterentwicklung im Weg stünden. Als Historiker würde ich eine Grenze als eine temporärer Erscheinung zum Zwecke der Einteilung von Zuständigkeiten definieren. Eine Erscheinung, die nicht nur temporär, sondern auch äußerst anpassungsfähig ist. Wurden Grenzen früher verändert (meist mit Gewalt), so ändern sie sich heute von selbst und verschwimmen. Nicht nur im Kopf – auch auf der Landkarte. Frühere Animositäten gegenüber Auswärtigen wandeln sich in Freundschaft in den Schulen, im Sport, in der Freizeitgestaltung. Das Kirchturmdenken früherer Zeiten weicht einer immer mehr zusammenwachsender und durch das schnellgewordene Internet (soweit in der Region verfügbar) immer mehr zusammengehaltener Welt. In dieser Welt wird eine regionale Identität aber immer wichtiger, um im Getümmel nicht verloren zu gehen. Diese wird sich langfristig aber nicht am heimatlichen Ort, sondern an einer größeren Einheit festmachen. Und da hat das Ederbergland, auch aus historischer Sicht gesehen, einen Vorteil, um dieses Bedürfnis auszufüllen. Das alte „Amt Battenberg“ hat sich auch nach der Zwangsangliederung an den Landkreis Frankenberg seine regionale Identität bewahrt. Diese Strukturen können den Grundstein zu einer Weiterentwicklung der Städte und Gemeinden Allendorf, Battenberg, Bromskirchen und Hatzfeld bilden. Der KDV ist ein erster Schritt in die richtige Richtung (wie man im phrasenhaften Politslang sagen würde). Ein Anfang ist es allemal. Doch wer die Lippen spitzt, muß auch Pfeifen können. Die nächsten Schritte müssen gemacht werden. Möge zusammenwachsen, was zusammen gehört!

Sonntag, 9. Mai 2010

Die Heimat

"Die Heimat ist ja nie schöner, als wenn man in der Fremde von ihr spricht." - Horst Wolfram Geißler

Die Frage nach einer konkreten Definition von Heimat ist so alt wie der Begriff selbst. „Heimat“, dieses patinabehaftete, je nach Bedarf instrumentalisierte und nebelumschleierte Wort, das grammatikalisch nur im Singular gebildet werden kann, ist Rückzugsgebiet und Kampfbegriff zugleich. Tante Wikipedia definiert die Heimat so:
Das Wort Heimat verweist zumeist auf eine Beziehung zwischen Menschen und Raum. Das Wort kann sich auf eine Gegend oder Landschaft, aber auch auf Dorf, Stadt, Land, Nation, Vaterland, Sprache oder Religion beziehen. Mit dem Wort „Heimat“ können somit nicht nur konkrete Orte (die Heimstätte eines Menschen), sondern ganz allgemein auch reale oder vorgestellte Objekte und Menschen bezeichnet werden, mit denen Menschen sich identifizieren und die sie positiv bewerten. Heimat ist die Gesamtheit der Lebensumstände, in denen ein Mensch aufwächst. Auf sie wird seine Psyche geprägt, ihnen „ist er gewachsen“.

Treffend, wie ich finde - und treffend für die Idee hinter diesem Blog: Die Beziehung zwischen Mensch und Raum. In diesem Falle ich und meine nordhessische Heimat. Ganz ungefragt werde ich hier, der Untertitel deutet es bereits an, Ansichten, Einsichten und Aussichten zum Besten geben. Stets subjektiv, hochpolitisch und immer heimatverwurzelt.