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Mittwoch, 12. Mai 2010

Die Erneuerung

Aus aktuellem Anlaß will ich mal was zur Erneuerung von Dörfern, in institutionelle Form gegossen auch Dorferneuerung, sagen. Aktueller Anlaß darum, da wir das Thema erst vor kurzem auf der Tagesordnung der Gemeindevertretung hatten. Jetzt war das „Ob“ schon länger entschieden und vom Land Hessen auch positiv abgesegnet, das „Wie“ stand jedoch noch aus. Und so wurde, ganz gegen sonstige Gepflogenheiten in dieser Wahlzeit, doch heftig diskutiert. Auf Details mag ich jetzt an dieser Stelle gar nicht mal eingehen wollen, denn die sind für diesen Beitrag trivial. Die Diskussion, die sich im vor kurzem renovierten Dorfgemeinschaftshaus entsponn, handelt vielmehr darum, ob es sich die Gemeinde überhaupt leisten können / leisten dürfen, einen recht stattlichen Betrag in das Projekt zu investieren. Denn (und das darf nicht vergessen werden) es handelt sich ja bei dem Programm um ein nicht vollständig gefördertes Programm. Das heißt, das Land gibt zwar Geld, die Kommune selbst muß aber auch was in die Hand nehmen. In diesem Falle ein recht ordentliches Sümmchen. Und so konnte ich, vermutlich auch durch (jung)liberales Generationengerechtigkeitsgedankengut beeinflußt, die Argumentation der Skeptiker durchaus nachvollziehen. Sicher ist es, in Zeiten wie diesen, oberstes Gebot zu sparen, doch muß auch klar sein, daß Zukunftsinvestitionen Vorrang haben müssen. Da stellt sich jedoch sofort eine weitere grundsätzliche Frage: Wie kann dem demographischen Wandel im ländlichen Raum begegnet werden? Und da ist die Antwort ganz klar. Wer sieht, mit wieviel Herzblut die Dorfbewohner in der Arbeitsgruppe zur Dorferneuerung aktiv waren und sich mit Vorschlägen eingebracht haben, für den liegt es auf der Hand, daß hier die Bürgerinnen und Bürger vor Ort hinter jedem einzelnen der Projekte stehen und von der Zukunftsfähigkeit und der Zukunftsoptimierung überzeugt sind. Daß dabei ein großer Teil junger Menschen (insbesondere Jugendliche) beteiligt war, gibt dem ganzen eine weitere starke Legitimation. Denn wer wenn nicht diejenigen, die für sich eine Zukunft in dem Dorf / in der Region sehen, könnten am besten wissen in welche Richtung sich ihr Dorf erneuern soll.
Und genau darum geht es ja. Viele Strukturen, die sich lange Zeit gehalten (ja auch bewährt) haben, müssen gerade in einer immer weniger und immer älter werdenden Gesellschaft auf den Prüfstand gestellt werden. Da muß kritisch hinterfragt werden und neue, flexible, alternative Lösungen gefunden werden, um den Problemen zu begegnen. Der Spagat der zwischen Erneuerung und Tradition, als identitätsstiftendes und identitätstragendes Element, gemacht werden muß, bietet die Chance (jungen) Menschen eine Perspektive im ländlichen Raum zu bieten. Wichtig dabei ist jedoch stets die Menschen vor Ort in die Entscheidungs- und Mitwirkungsprozesse einzubinden. Die Gemeindevertretung hat letztendlich den Weg freigemacht für das Programm und die Zukunft des Dorfes, da wir alle davon überzeugt waren, daß die Projekte uns nicht enttäuschen werden und wir wußten, daß die Einwohner mehrheitlich dahinter stehen. Denn eins ist auch klar: Wenn der Zug erst einmal abgefahren ist, wird gegensteuern meist teurer.

Montag, 10. Mai 2010

Die Standortfrage

Nun kommt sie also nicht die Bundesautobahn 4 kreuzungsfreie Bundesstraße zwischen Olpe und Hattenbach. Tja, ich sag da ja lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Es gibt da ja, um den Bogen mal in die große tagesaktuelle weltbewegende Griechenland-Politik zu spannen, gute Gründe für die eine wie auch für die andere Seite. Mit der Entscheidung gegen den Ausbau sind jetzt Tatsachen geschaffen worden und das ist gut so. Irgendwann muß man auch mal sagen „OK, wir haben es versucht, wir haben darum gekämpft, aber es wird nun nix.“ Denn jetzt gilt es andere Lösungen zu finden, um den Problemen von Wirtschaft und Anwohnern Abhilfe zu schaffen. Fakt ist, daß wir eine bessere Anbindung an die Außenwelt brauchen. Diese Anbindung brauchen nicht nur die namentlich nicht genannten Großbetriebe wie Viessmann oder Conti, nein, die brauchen auch die Menschen hier vor Ort. Denn letztlich entscheidet auch das Hin- und wieder Wegkommen über die Wahl von Wohn-, Arbeits- und Heimatort.
Darum sollten jetzt Ausbaugegner wie Ausbaubefürworter das alte Kriegsbeil begraben und gemeinsam sich an einen Tisch setzen. Wir brauchen jetzt leistungsstarke Ortsumgehungen und ein weiter ausgebautes Straßennetz, um den Anschluß nicht zu verlieren. Es ist eine Standortfrage. Wenn sich Waldeck-Frankenberg und die Region nicht gänzlich abhängen lassen wollen, sollten diese alternativen Lösungen möglichst zeitnah umgesetzt werden.

Und wo wir gerade dabei sind: Ceterum censeo lacunae ferruviam Curbecke Frankenbergemque esse delendam!